Dienstag, 30. April 2013

Die völlige Zerstörung von Apameia am Orontes: Syrien im April 2013

Bei all den Zerstörungen sind es nur wenige augenfällige Schäden, die noch internationales Interesse hervorrufen, im April der Einsturz des Minaretts der Omajjaden-Moschee in Aleppo:
Unklar bleiben die genauen Vorgänge: Die staatliche syrische Presseagentur Sana machte Rebellen dafür verantwortlich, und verwies auf die al-Qaida-nahe Jabhat al-Nusra Gruppe. Aus Aleppo selbst wird berichtet, dass ein Armee-Panzer das Minarett beschossen hätte.
Aleppo, Omaijaden-Moschee vor der Zerstörung, 2008
(Foto: Martijn Munneke [CC BY 2.0] via Wikimedia Commons)
Weit weniger Aufmerksamkeit finden die Plünderungen archäologischer Stätten, die inzwischen bei Google sehr gut dokumentiert sind. Dabei zeigt sich in Apameia, dass innerhalb weniger Monate großflächig die archäologische Fundstelle mit Raubgrabungslöchern übersäht und damit praktisch für die Wissenschaft und als Denkmal völlig zerstört ist. Motivation bei derartigen Zerstörungen ist zweifellos die Gewinnung von Antiken, die illegal exportiert und an Sammler verkauft werden. Einzig sinnvolle Reaktion wäre es, den Handel mit allen vorderasiatischen Funden auf der Stelle auszusetzen! Sammler können nicht länger argumentieren, sie würden die Funde sichern - für ihre Besitzerlust wird hier in großem Maßstab Kulturerbe geplündert und zerstört.

Apameia 2011 und 2013
(aus Google Earth zusammengestellt
von Le patrimoine archéologique syrien en danger)



Größere Kartenansicht
Ausschnitt aus Google Maps mit den Raubgrabungslöchern in Apameia


 Berichte über weitere Zerstörungen
zu Palmyra:

    Hintergrundberichte
      Eine anschauliche Zusammenstellung prominenter Schäden des Konflikts bei France 24:
      France 24 bietet zudem einen interessanten Video-Bericht, der neben den früheren Zerstörungen auch den Einsturz des Minaretts einer Moschee in Deraa am 13. April zeigt.
      Das darin in Ausschnitten wiedergegebene Interview mit Irina Bokova (Direktorin der UNESCO), nicht nur über Syrien:
      Des Weiteren bei France 24:

      Ebenso gibt ein Video: Urgent Action: Protecting Syria's Cultural Heritage der Alliance for the Restoration of Cultural Heritage (ARCH) (http://archinternational.org/) einen Überblick und ruft dazu auf, Syriens Identität für künftige Generationen zu erhalten.

      Der Blog Oriental Heritage without borders (auch auf facebook) wirbt um Aufmerksamkeit für das Kulturerbe Syriens, indem er kurze Videoclips mit persönlichen Statements auf youtube postet.

      Die französische Wikipedia bietet eine Seite Patrimoine syrien sous la guerre civile  mit einer Liste der Zerstörungen, etwas kürzer ist die List of heritage sites damaged during Syrian civil war der englischen Wikipedia.

      Ganz neu, noch mit wenig Inhalt ist ein blog auf der Plattform hypotheses: Patrimoine culturel syrien Promotion de la diversité et de la richesse de la culture syrienne 

        Interne Links



        Änderungsvermerk (14.3.2015): broken link zu Luftbildern repariert

          Montag, 29. April 2013

          Pressespiegel zur Stutzung der Denkmalpflege in NRW

          Die DGUF-Petition gegen die Mittelkürzungen in Nordrhein-Westfalen hat weiterhin mediale Resonanz, die im folgenden mittels Linklisten dokumentiert sei. Die ersten Pressemeldungen sind gesammelt unter Erste Pressereaktionen (28.3.2013 mit Ergänzungen bis zum 11.4.2013).

          Fernsehbeiträge 
           Befürchtungen und drohende Konsequenzen

          Reaktionen aus der Politik:

          Blogmeldungen

          Materialien der DGUF


          Die Petition der DGUF kann bis zum 24. Mai unterschrieben werden:  

          Interne Links


          Donnerstag, 25. April 2013

          “At least we are speaking and making noise to the whole world” – Aktivitäten gegen Kulturgutraub und -zerstörung in Ägypten

          ein Gastbeitrag von Jutta Zerres

          Effektive Maßnahmen gegen den Kulturgutraub in Ägypten sind derzeit kaum zu finden und solange die wirtschaftliche Situation weiter Teile der ägyptischen Bevölkerung so prekär bleibt, wird sich wahrscheinlich auch nicht viel an der Lage ändern. Es ist darüber hinaus auch zu fragen, inwieweit der aktuellen Regierung nicht auch der politische Wille fehlt, etwas dagegen zu unternehmen. 
          In diesem Blogpost sollen weniger die fortschreitenden Zerstörung und Plünderungen in Ägyptens Kulturstätten thematisiert werden; vielmehr ist hier der Fokus auf die Aktivitäten gerichtet, die aktuell dagegen unternommen werden. 

          Kulturgutschützer bleibt zumeist nur der Weg in die Öffentlichkeit:

          Beschriftete Stele, Tempel der Hathor,
          Serabit el-Chadim
          (Foto:
          Roland Unger [CC BY-SA 3.0]
          via Wikimedia Commons)
          Auf die Facebook-Gruppe „Save El Hibeh“ hat Rainer Schreg bereits im Blogpost vom Archaeologik vom 23.03.2012 hingewiesen. Die Offene Gruppe wurde von der amerikanischen Ägyptologin Carol Redmount (UC Berkley) gegründet, um auf die Zerstörung und Beraubung des Fundplatzes „El Hibeh“ (südlich der Stadt Beni Suef) aufmerksam zu machen.

          Auf die Zerstörung des einzigartigen Tempels von Serabit-al-Khadim (Südsinai) durch Korruption und falsche Restaurierung macht die Ägyptologin Monica Hanna aufmerksam. Es berichtet (mit Video in arabischer Sprache): Save Serabit : Save the only temple in South Sinai (und Egyptian Chronicles).

          „Stop the heritage drain“ heißt die Kampagne einer Gruppe junger Ägypter, die Bilder von gestohlenen Objekten aus verschiedenen ägyptischen Museen auf einer Facebook-Seite bekannt macht. Neben Zeugnissen der altägyptischen Kultur werden auch entwendete Objekte aus der Al-Mo’ayad Sheikh-Moschee, der Sultan Hassan Moschee und der Sultan Barqouk Moschee in Kairo aufgeführt:

          Abdel-Rahman Sherief berichtet in Daily News Egypt und in seinem Blog:
          Die englischsprachige Ausgabe der chinesischen Zeitung „Xinhuanet“ meldet die Sicherstellung einer beträchtlichen Raubgräberbeute im Gouvernement Beni Suef durch die Polizei:

          Online-Petitionen
          Inzwischen laufen auch einige Online-Petitionen zum Thema des Kulturgutraubes und der -zerstörung in Ägypten. Es ist natürlich grundsätzlich begrüßenswert, wenn sich Menschen auch mit diesem Instrument für den Kulturgüterschutz engagieren. Es bleibt jedoch zu fragen, inwieweit die Forderungen effektiv bei den Adressaten durchgesetzt werden können:

          Auf die Petition „Save Dahshur Archaeological Area“ wurde bereits im letzten Blogpost zum Thema Ägypten (Archaeologik vom 26.03.2013) hingewiesen:
          Eine andere Petition der „Egyptian Society of South Africa“, die sich allgemein gegen die fortschreitenden Plünderungen und Zerstörungen richtet, ist adressiert an den Botschafter der Arabischen Republik Ägypten in Pretoria:
          Eine Schutzmaßnahme ganz anderer Art wird in einer weiteren Petition gefordert, die an die ägyptische Regierung gerichtet ist. Das Thema “Altes Ägypten“ soll in den Schulen des Landes stärker im Unterricht behandelt werden, um mehr Verständnis für die antike Kultur und Geschichte zu wecken und somit mehr Schutz für die Kulturstätten zu erreichen: 


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          Jutta Zerres ist promovierte provinzialrömische Archäologin, hat aber ein Faible für Ägypten.

          Montag, 22. April 2013

          Politische Reaktionen ohne klare Aussagen

          Die Petition der DGUF gegen die Streichung der Landesmittel für die Denkmalpflege in NRW hat Unterstützung weit über die Archäologie hinaus gefunden. Zahlreiche Verbände und Privatpersonen haben sich ihr angeschlossen. Über 18000 Unterschriften sind bis Montag 22.4.2013 zusammengekommen. Inzwischen sah sich die Politik gezwungen, sich zur Sache zu äußern. Konkrete neue Aussagen sind dabei aber nicht herausgekommen.
          Klar ist: Die Landesmittel für die Denkmalpflege sind gefährdet. Trotz der Rolle der Landschaftsverbände in NRW geht dies an die Grundsubstanz der Denkmalpflege: Eine Qualitätssicherung denkmalpflegerischer Maßnahmen bedarf einer überregionalen Finanzierung. Nur so kann eine Fachkompetenz gewährleistet werden, nur so kann sich der Bürger darauf verlassen, dass Denkmalschutz nach einheitlichen, nachvollziehbaren Kriterien erfolgt. Eine ausschließlich kommunale Finanzierung oder gar die angedachte Denkmalförderung auf Darlehensbasis selektiert den Denkmälerbestand nach Prestige: Burgen werden erhalten, Arbeiterhäuser dem Zerfall preis gegeben. Römische Architektur wird ausgegraben und unter Schutzdach präsentiert, unscheinbare prähistorische Siedlungsgruben werden dem Bagger überlassen. Gefördert wird dann zuvorderst Fassadenpflege, der wissenschaftliche Quellenwert und das Erkenntnispotential rücken in den Hintergrund, denn dieses erschließt sich meist erst aus einer überregionalen Perspektive.

          3.3.2009: Das Stadtarchiv Köln kurz nach dem Einsturz
          (Foto: Frank Domahs [CC BY-SA 3.0]
          via Wikimedia Commons)
          Die kommunale Ebene wird nach Streichung der Landesmittel an Bedeutung gewinnen müssen. Vielerorts ist die Archäologie und Denkmalpflege in den Kommunen durchaus in guten Händen - in welche Fahrwasser und politische Vorgänge die Denkmalpflege dabei aber geraten kann, zeigen die Streitereien in Köln um die archäologische Zone (Archäologie und Kommunalpolitik. Archaeologik 18.1.2013), aber auch um den Neubau des eingestürzten Stadtarchivs, der derzeit von der Kommunalpolitik in Frage gestellt wird (dazu übrigens eine weitere Petition: Aufhebung des Planungsstopps für den Neubau des Stadtarchivs und der Kunst- u. Museumbibliothek Köln). Lokalpolitik wird verstärkt für ein Kulturerbe verantwortlich, das weit über die Region hinaus von Bedeutung ist. Gerade strukturschwache Gegenden mit einem meist umfangreicheren Denkmälerbestand werden sich aus eigener Kraft einen gerade dort auch wirtschaftlich wichtigen Denkmalschutz nicht leisten können (oder wollen), erst recht nicht auf Kredit.

          Viele Grabungsprojekte und Museen fürchten um ihre Zukunft. Dabei geht es auch um Investitionen in mittelständische Betriebe und um eine Förderung von Bildung und sozialer Kompetenzen. Erst die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit weckt die Sensibilität für Risiken, für Probleme aber auch für Chancen in den sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Prozessen unserer Gegenwart.

          Noch wird diskutiert, heisst es aus der Politik. - Der richtige Zeitpunkt also, dass sich alle in die Diskussion einbringen, denen an Bildung und Kultur gelegen ist. Die Petition der DGUF ist eine Plattform dafür - bis zum 24. Mai kann unterschrieben werden.

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          Sonntag, 21. April 2013

          Le patrimoine archéologique en danger

          D'ici 2015 le Land de Rhénanie-du-Nord-Westphalie (NRW) supprimera complètement le budget destiné à la conservation de son patrimoine historique et aux fouilles archéologiques. Déjà pour l'année 2013 les moyens financiers ont dû subir une réduction substantielle. La NRW, qui compte parmi les Länder les plus peuplés d'Allemagne, héberge un patrimoine archéologique de première importance : le Néandertal, la ville romaine de Xanten, les gisements de silex du Lousberg, les habitats néolithiques de la Aldenhovener Platte pour n'en citer que quelques-uns.


          Reconstrucion de les remparts romains à Xanten (Colonia Ulpia Traiana)
          (foto: R. Schreg, 2006)
            Wikimedia Commons
          Le Land de NRW étant la puissance économique numéro un en Allemagne, il est fort à craindre que la suppression du budget serve aussi de modèle ou de prétexte aux autres Länder d'Allemagne qui, eux, sont moins biens dotés financièrement.

          La Société Allemande pour la pré- et protohistoire (DGUF) a lancé une pétition en ligne pour convaincre le gouvernement de NRW de reconsidérer son plan budgétaire. En Allemagne la pétition a eu un grand retentissement médiatique et compte déjà plus de 17.000 signatures après seulement 3 semaines. La DGUF aimerait faire connaître son appel au-delà des limites du Land NRW et à l'échelle internationale. Faites donc preuve de solidarité, faites passer le message et engagez-vous en cosignant la pétition!

          source: DGUF

          pour signer la pétition de la DGUF: Angekündigte Streichung der Landeszuschüsse für die Archäologie und Denkmalpflege zurücknehmen!

          Links

           

          Montag, 15. April 2013

          Forschungen in Panama

          Neu erschienen:


          Der Artikel berichtet über eines der seltenen Forschungsprojekte deutscher Archäologen zur Kolonialarchäologie. Das Projekt der Universität Tübingen in der spanischen Kolonialstadt Panamá la Vieja, der ersten spanischen Stadtgründung an der Pazifikküste gibt einen Überblick über Fragestellungen. Die DFG hat mehrere Kampagnen von Vermessung, Prospektion und Grabungen finanziert, die darauf abzielten, Kulturkontakte, Sozialstrukturen und wirtschaftliche Strukturen in der Stadt zu erforschen. 
          Die kurze Lebenszeit der Stadt Panamá la Vieja von 1519 bis 1671, die gut erhaltenen Ruinen und eine im Kerngebiet fehlende moderne Überbauung bieten herausragende Rahmenbedingungen.

          Mehr dazu demnächst in der Monographie zum Projekt, die derzeit zur Publikation vorbereitet wird.

          Donnerstag, 11. April 2013

          Bauernhöfe des Frühmittelalters

          In Band 9/2012 der spanischen Zeitschrift 'Arqueología de la Arquitectura' geht es schwerpunktmäßig um frühmittelalterliche Architektur des ländlichen Raums.

          Spanische Kollegen haben mich gebeten, in einem englischsprachigen Artikel (mit spanischer Zusammenfassung) einen knappen Überblick über ländliche Bauweise und Siedlungsstrukturen in Deutschland zu geben. Der Artikel skizziert die Geschichte der Forschung und bestimmt einige aktuelle Trends und künftige Perspektiven der Forschung.

          Frühmittelalterliche Hausgrundrisse
          aus Nordwestdeutschland
          (Graphik R. Schreg)
          Siedlungen des frühen Mittelalters sind in Deutschland aus einer wachsenden Zahl von Grabungen bekannt. Ländliche Architektur war Holzarchitektur. Lediglich Kirchen wurden in Steinbauweise errichtet. Ein Hof bestand aus mehreren Gebäuden: einem Hauptgebäude und mehreren Wirtschaftsgebäuden, wie z.B. Grubenhäusern oder Speicherbauten. Bis in den 1980er Jahren großflächige Grabungen einsetzten, fanden die Veränderungen im ländlichen Raum nur geringe Beachtung. Die Entstehung der heute noch existierenden alten Dörfer bzw. derer Ortskerne ist eine relativ späte Entwicklung. Bis heute ist es schwierig, die Hintergründe der Veränderungen der ländlichen Architektur zu verstehen, zumal es spezifische regionale entwicklungen gab. Das 5. Jahrhundert einerseits, wie die Hauptperiode der Dorfgenese zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert andererseits, repräsentieren wohl die wichtigsten Innovationsperioden ländlicher Architektur.


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          Las alquerías altomedievales en Alemania – arquitectura y organización


          Early medieval house plans from
          Northwestern Germany
          (redrawn by R. Schreg)
          R. Schreg, Farmsteads in early medieval Germany – architecture and organisation. Arqueología de la Arquitectura 9, 2012 [J.A. Quirós (ed.), Arqueología de la arquitectura y arquitectura del espacio doméstico en la alta Edad Media Europea], 247-265


          Resumen

          Farmsteads in early medieval Germany – architecture and organisation


          The recent volume of the Spanish journal 'Arqueología de la Arquitectura' 9, 2012 is devoted to early medieval rural architecture: Archaeology of Architecture and Household Archeology in early medieval Europe, edited by J.A. Quirós. There are contributions not only to the Iberian peninsula, but also to France (by Édith Peytreman) and to Great Britain (by Mark Gardiner).

          Early medieval house plans from
          Northwestern Germany
          (redrawn by R. Schreg)
          In an English article I tried to provide a short characteristic of buildings and settlement organisation of early medieval settlements in Germany. The article gives an outline of research history and identifies some recent trends and future perspectives of research.
          The article "Farmsteads in early medieval Germany – architecture and organisation" is available per open access at the journal's homepage (or at academia.edu).

          In Germany early medieval rural settlements are known from a rising number of excavated sites. Rural architecture was a wooden architecture. Only churches were built in stone. A farmstead consisted of several buildings: the main house and several economic buildings as pit houses and storages. Before the 1980s, when large scale excavations became more and more common, there was little awareness of changes in rural settlement history. The formation of still existing villages was only late in the Middle Ages. However, even today it is difficult to understand the changes in rural architecture as there are distinct regional differences. Probably the 5th century on the one hand and the period of village formation between the 10th and 13th centuries on the other hand were the most innovative periods.


          internal link

          Montag, 8. April 2013

          Bürger gegen Denkmal-Kahlschlag

          Die DGUF-Petition hat inzwischen über 13600 (8.4.2013) Unterschriften erreicht.
          Die Kommentare zur Petition bringen teilweise die Sorge um Arbeitsplätze zum Ausdruck, vor allem aber um den Verlust von Kulturgut. Die Unterschriften stammen natürlich auch von Kollegen, aber der größte Teil kommt offenbar von Kultur-interessierten Bürgern. Teilweise handelt es sich um Eigentümer von denkmalgeschützen Bauten, die ihre Sorge zum Ausdruck bringen, künftig die nötige Instandhaltung nicht mehr leisten zu können.
          Die Resonanz der Petition ist unerwartet groß. Die Hoffnung der DGUF lag ursprünglich bei 1000 Unterstützern - ein Ziel, das bereits am zweiten Tag der fast 8 wöchigen Zeichnungszeit weit überschritten wurde.
          Der Kölner Stadtanzeiger berichtet, "die heftigen Reaktionen der Landschaftsverbände und der kommunalen Denkmalpfleger sollen selbst Ministerpräsidentin Hannelore Kraft überrascht haben." (Kölner Stadtanzeiger [4.4.2013]: Schlag ins Gesicht der Archäologie).

          Sie kann bis zum 24. Mai unterzeichnet werden - und hofft auf viele weitere Unterstützer.

          verändert nach
          Wikimedia Commons

          In einem offenen Brief der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie DeGUWA an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft werden sehr schön frühere Statements von Landesvertretern zitiert, die der jetztigen Linie konträr entgegen stehen. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die finanziellen Mitteln, die derzeit allein für die personelle Umstrukturierung der West-LB aufgewendet werden, die Bodendenkmalpflege in Ihrem Land 200 Jahre lang auf dem jetzigen Stand halten könnten.

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            Peligro por el legado cultural!

            El estado federal North-Rhine Westphalia (NRW) quiere cortar por completo la financiación de la arqueología para 2015 y acaba de hacer unos recortes drásticos para el presente año 2013. NRW es uno de los estados más poblados de Alemania y además muy rico en patrimonio arqueológico. Algunos de los yacimientos más importantes de Alemania se encuentran aquí: Neanderthal, que da nombre a la especie; la ciudad romana de Xanten, en un estado excelente de conservación; el yacimiento minero de Lousberg, o los yacimientos neolíticos de la Aldenhovener Platte, por nombrar algunos.

            la reconstrucción de la muralla de la ciudad romana en Xanten (Colonia Ulpia Traiana)
            (foto: R. Schreg, 2006)
            En Alemania, NRW es también el estado más potente económicamente, lo que le dará un carácter ejemplar para el resto del país a los recortes. Esto llevará a otros estados más pobres a extender este modelo, lo que puede ser devastador para el futuro de la arqueología alemana.

            La Sociedad Alemana para la Pre- y Protohistoria (DGUF) ha comenzado una petición online, con la que quiere hacer al gobierno replantearse sus planes. En Alemania, la petición ha alcanzado ya más de 13.500 firmas y un sorprendente seguimiento en la prensa, en tan solo dos semanas. Ahora queremos llevar la petición a un nivel internacional, para lo que necesitamos vuestra ayuda. Por ello os agradecería que pudierais extender la petición en vuestro muro pidiendo firmar y compartir.

            texto: DGUF

            Energiewende: Eine Glashütte des 19. Jahrhunderts in umwelthistorischer Perspektive


            Schmidsfelden: Nebenofen der Ausgrabungen 1998
            (Foto: R. Schreg)
            Industriearchäologie ist häufig einem Narrativ von technischer Innovation, Fortschritt und wirtschaftlichem Erfolg verpflichtet. Am Beispiel einer Glashütte des 19. Jahrhundert verfolgt der Artikel eine umwelthistorische Perspektive, die die Glashütte als Siedlungsökosystem betrachtet. Es interessieren weniger die technologischen Aspekte als vielmehr die letztlich vergeblichen Versuche des Betriebes, sich den verändernden Rahmenbedingungen anzupassen.

            Es waren denkmalpflegerische Belange, die 1998 archäologische Ausgrabungen an einem  Glasofen der Glashütte Schmidsfelden bei Leutkirch im Allgäu notwendig machten. Untersucht wurde ein Nebenofen der Glashütte, der im Bauplan von 1809 als Streckfabrik bezeichnet wird und der der Flachglasproduktion diente. Es zeigte sich eine Mehrphasigkeit des Ofens. Zur jüngeren Phase gehörten drei Feuerzüge, von denen einer wohl der Kohlebefeuerung dienen sollte. Kohle blieb für die Glashütte aufgrund der hohen Transportkosten unerschwinglich. Eine Torflage in einem der Feuerzüge deutet wohl auf Versuche, andere, günstigere Brennstoffe zu nutzen. Letztlich steht die Glashütte für die Energiewende von der Solarenergie zu fossilen Energieträgern.

            Jetzt neu erschienen: R. Schreg, Industrial Archaeology and Cultural Ecology – A Case Study at a 19th Century Glasshouse. In: N. Mehler (Hrsg.), Historical Archaeology in Central Europe. SHA special publication 10 (Rockville 2013) 317-324

            weitere Literatur

            Sonntag, 7. April 2013

            Defending the archaeological heritage

            Recent plans of the gouvernment of German federal state Northrhine-Westphalia not only to cut but to suspend state funding for archaeology and cultural heritage are a dangerous development which needs to be averted.
            German society for prehistoric archaeology (Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte DGUF) started an online petition and is asking for international support.
            It is already a great success, to have more than 12000 signatures within two weeks. However, to defend the archaeological heritage strikingly against political ignorance, more support is needed. There is the risk, that other German federal states will follow this bad example.

            verändert nach
            Wikimedia Commons
            We talk about 12 Mio €, which is only a small rest from the budget of cultural heritage management some years ago. This is not only peanuts, but it is also money well invested in the small business sector. Already now, more than 95% of archaeological sites within the open brown coal pits are lost without documenting.
            Northrhine-Westphalia is an outstanding archaeological region with many important prehistoric, Roman and medieval sites. It is the region, where for example the Neandertal remains have been found.


            direct link to the German petition: Angekündigte Streichung der Landeszuschüsse für die Archäologie und Denkmalpflege zurücknehmen!

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            Freitag, 5. April 2013

            Historische Archäologie - ein Opfer der Geschichte

            Größte Skepsis schlägt der historischen Archäologie (breit verstanden als all jene archäologischen Disziplinen, die sich mit Kulturen auseinandersetzen, die auch eine schriftliche Überlieferung hinterlassen haben) ausgerechnet von einem Selbstverständnis der Archäologie als historischer Disziplin entgegen - jedenfalls wenn dem ein unreflektiertes Geschichtsverständnis zugrunde liegt, das in der Archäologie nicht gerade selten ist.
            In Mitteleuropa sieht sich die Archäologie in der Regel als Teil der Geschichtswissenschaften, doch ist das ein zwiegespaltenes Verhältnis. Eine traditionelle Geschichtswissenschaft nimmt nämlich bis heute das Potential archäologischer Quellen nur ungenügend wahr: "Archäologie ist ein teurer Weg, herauszufinden, was wir ohnehin schon wissen" heisst es da.
            Archäologie ist daher nur dort zuständig, wo keine anderen, 'besseren' Quellen vorliegen: also für die Vor- und Frühgeschichte  oder für einige Nischen wie die Technik- und Industriearchäologie. Eine Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit hat es da schwer.

            Bemerkenswerterweise stammen viele spannende Impulse für eine historische Archäologie von Ansätzen, die als "ahistorisch" gelten. Daher mag es passender sein, historische Archäologie eher als Kulturwissenschaft denn als Geschichte zu verstehen.
            Unterschiedliche Konzepte der Beziehung
            zwischen archäologischen und schriftlichen Quellen

            (Graphik R. Schreg)
            Das ist keine theoretische Haarspalterei, sondern hat ganz konkret Einfluss darauf, wie archäologische Quellen bewertet und ausgewertet werden. Nicht zuletzt resultiert eben daraus der geringe Stellenwert, den eine "Archäologie der Neuzeit" in Deutschland noch immer hat.

            Eine vertiefende Diskussion der Problematik im Hinblick auf die Entwicklung einer Archäologie der Neuzeit  und die Geschichtsbilder in der Archäologie findet sich in dem eben erschienenen Artikel:

            Mittwoch, 3. April 2013

            Formationsprozesse und ihre Faktoren (Archäologische Quellenkritik IV)

            Die Blogposts der kleinen Serie 'Archäologische Quellenkritik' gehen auf ein Manuskript zurück, das 1998 für ein Oberseminar am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters in Tübingen entstanden ist, das ich gemeinsam mit Frau Prof. Scholkmann angeboten hatte. Eine immer wieder angedachte Publikation ist aufgrund anderer Projekte nie zustande gekommen. Ich stelle sie hier als Blogposts ein, wobei nur minimale Bearbeitungen und Aktualisierungen erfolgen. In vorliegendem Teil wurde der Abschnitt zur Archäologie als Geschichtswissenschaft überarbeitet, da ich diesen Aspekt in jüngeren Publikationen vertieft habe. Eine pdf-Fassung folgt.


            Der Blick in die Forschungsgeschichte hat uns bereits wesentliche Elemente des Formationsprozesses gezeigt. Im folgenden sollen die einzelnen Faktoren systematisch, aber in aller Kürze betrachtet werden. Ausführliche Zusammenstellungen und Besprechungen finden sich in den genannten Arbeiten von Schiffer (1983, 1987) und Sommer (1991).

            Einfache und komplexe Formation


            Wir unterscheiden im folgenden einfache und komplexe Formationsprozesse. Als einfache Formationsprozesse möchte ich etwa die offensichtliche, konkrete Befundgenese, wie das Ausheben einer Grube oder die Fälschung eines Fundes betrachten. Das Auffüllen, Abgraben oder Abtragen von Erdmaterial, das Ausheben einer Grube, das Setzen eines Pfostens durch Einrammen oder Eingraben, das Aufmauern, Zumauern, das Einplanieren, Pflastern sind ebenso einfache Formationsprozesse wie die natürliche Erosion oder Sedimentation. Diese Prozesse sind die wesentlichen Vorgänge der Befundbildung, an deren Ende der konkrete Grabungsbefund mit seinen stratigraphischen Beziehungen oder das einzelne Fundstück steht.

            Dem möchte ich die komplexen Formationsprozesse gegenüberstellen, die weniger konkret erscheinen und deren Hintergründe schwieriger zu rekonstruieren sind. Es geht hier nun weni­ger um die Bildung eines einzelnen evidenten Befundes, als vielmehr um die latenten Befunde, um die Frage ihrer Repräsentativität. Menschliches Handeln und Denken stellen hier einen kaum abzuschätzenden Faktor dar.

             

            Stufen der Formation


            Im folgenden werden mehrere Stufen der Formation (Abb. 4.1) unterschieden, in deren Verlauf die in einem systemic context abgelagerten Funde zu dem transformiert werden, was uns als archäologische Datenbasis zu einer historischen Interpretation zur Verfügung steht:

            Montag, 1. April 2013

            Kollateralschäden, Plünderungen und gezielte Vernichtung in Syrien (März 2013)

            Für die Vorgänge in Syrien und insbesondere für die Meldungen über archäologische Fundstellen ist facebook ein wichtiges Medium. Neben den beiden größeren Gruppen https://www.facebook.com/Archeologie.syrienne?ref=ts&fref=ts  und  https://www.facebook.com/apsa2011?ref=ts&fref=ts , deren Meldungen hier schon häufiger angeführt wurden, gibt es einige spezielle Seiten, wie etwa توثيق آثار حمص المدمرة Documenting the Injured Archaeological Sites of Homs - https://www.facebook.com/Archaeological.Sites.of.Homs zu Homs. 

            neue Berichte, Bilder und Videos zu Zerstörungen

            Maßnahmen, Aktionen und Erklärungen

            Bilanzen nach 2 Jahren Bürgerkrieg

            Interne Links